„Helgoland darf mit Optimismus in die Zukunft blicken“ schreibt das Hamburger Abendblatt am 11. Januar 2010. „War die Insel in der Vergangenheit fast komplett abhängig vom Tourismus, scheinen nun im Bereich der Forschung und Technik neue Standbeine zu entstehen, deren positive Auswirkungen noch gar nicht abzusehen sind.“ Die Tageszeitung bezieht ihren Optimismus unter anderem aus dem neu entstehenden Offshore-Windpark, der nordnordwestlich vor Helgoland geplant ist. Das ist tatsächlich eine große Chance für die Insel!
Was ergeben sich daraus für Anforderungen? Kneipen hat die Insel ausreichend - das reicht auch für das Servicepersonal für die Anlagen, welches die Insel – zumindest vorübergehend – als Stützpunkt und als Zweitwohnsitz ansteuern wird. Was definitiv fehlt, ist ausreichend preisgünstiger Wohnraum. Hier ist die Gemeinde dringend gefragt. Dass Wohnraum fehlt, ist nicht nur durch die Saisonkräfte längst hinlänglich bekannt.
Eine Bereitstellung von Bauland wird keinesfalls ausreichen um diese Lücke zu füllen, denn zunächst geht es um preiswerten Wohnraum für Alleinstehende – die vielleicht einmal später bereit sind, sich mit Familie auf Helgoland niederzulassen. Daher sind Planungen erforderlich, die das Eine wie das Andere ermöglichen; innovative Konzepte, die die Umwandlung von Wohnraum zur Einzelnutzung in größere Wohneinheiten von Anfang an bedenken, denn Helgoland hat vor allem eins: Wenig Platz – und davon ganz viel.
Die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft, die sich professionell dieses Themas annimmt, wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung. Doch darauf darf sich nicht ausgeruht werden.
Die Wohnungssituation wird stark durch die Vorgaben des Denkmalschutzes geprägt. Schon seit 1987 befasst sich das Landesamt für Denkmalpflege mit dem Neuaufbau Helgolands als einer Sonderleistung des Nachkriegsstädtebau. 1992 wurde mit der „Denkmalpflegerischen Zielplanung Helgoland“ eine größere Anzahl von Gebäuden der Nachkriegszeit auf ihren Denkmalwert und ihre Erhaltungswürdigkeit hin überprüft und zum Gegenstand einer denkmalpflegerischen Untersuchung und Bewertung gemacht. Das ist zu würdigen und auch ein Alleinstellungsmerkmal für Helgoland. Vielleicht aber nur für eifrige ArchitekturstudentInnen, die dafür bestimmt viel Begeisterung aufbringen können. Ich möchte diese Aufbauleistung auf keinen Fall schmälern, wohl aber auch darauf hinarbeiten, dass sich der Denkmalschutz mit den Bedürfnissen der Menschen heute auseinandersetzen muss. Ein unter Schutz gestellte Ansammlung von Wohngebäuden mag auf dem Festland als Freilandmuseum seine Berechtigung haben – hier auf Helgoland ist es dringend erforderlich die Ansprüche an modernes Wohnen, den dringend notwendigen Klimaschutz (wie beispielsweise Wärmedämmung) und selbstverständlich auch den Denkmalschutz einvernehmlich unter einen Hut zu bringen.
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